Wann brauche ich ein Testament / einen Erbvertrag?

Die im Gesetz geregelte Erbfolge ist nicht zwingend. Sie tritt nur dann ein, wenn der Verstorbene (im juristischen Sprachgebrauch: „Erblasser“) keine Regelung in Form einer “letztwilligen Verfügung von Todes wegen” (Testament oder Erbvertrag) getroffen hat. Das kann sein, weil er die gesetzliche Erbfolge für genau passend erachtet. Dieser Fall ist jedoch eher selten. Viele Menschen verdrängen schlichtweg den Gedanken an ihren eigenen Tod. Das ist verständlich, führt jedoch häufig zu Ergebnissen, die nicht gewollt sind.

Die durch letztwillige Verfügung getroffene Regelung geht der gesetzlich festgelegten Erbfolge vor.

So hat beispielsweise der oder die nichteheliche Lebenspartner/in KEINERLEI gesetzliches Erbrecht. Will man ihm/ihr etwas zukommen lassen, muss dies in einem Testament oder in einem Erbvertrag geregelt werden. Auch wenn man Streit um die Verteilung des Nachlasses vermeiden möchte, empfiehlt sich die Erstellung eines Testaments. In Testamenten und Erbverträgen können sehr viele Einzelheiten geregelt werden. Darauf werde ich in einem meiner nächsten Artikel noch ausführlicher eingehen.

Letzwillige Verfügungen müssen zwingend bestimmte, vom Gesetz vorgeschriebene, Formen einhalten. Nur dann sind sie wirksam.

Formale Regelungen für das Verfassen eines Testaments / eines Erbvertrages:

  • Ein Testament muss entweder notariell beurkundet sein oder handschriftlich abgefasst sein. Letzteres bedeutet, dass es von Anfang bis Ende vom Erblasser selbst mit der Hand geschrieben sein muss.
  • Ein Testament muss den Namen des Erblassers sowie Ort, Datum und Unterschrift enthalten.
  • Ein Erbvertrag muss notariell beurkundet sein.

In Ausnahmefällen gibt es so genannte Nottestamente. Diese haben aber wegen ihrer sehr engen Voraussetzungen keinerlei praktische Bedeutung.

Haben Sie Fragen zum Thema Erbrecht? Kontaktieren Sie uns hier.

Lesen Sie weiter:
“Wer erbt wieviel?” – Das gesetzliche Erbrecht

3 Comments
  1. Jetzt kann ich die Rolle des Testaments besser verstehen. Wenn es kein Testament gibt, dann gilt die im Gesetz geregelte Erbfolge. Wenn es aber ein Testament gibt, dann wird alles danach geregelt. Gibt es eigentlich welche, die kein Testament vor ihrem Tod verfassen? Bei erbrecht kann ich nicht alles ganz verstehen. Wenn es Zeit ist, mein Testament zu verfassen, werde ich mich mehr über Erbrecht beraten lassen.

  2. Danke für die Erklärung über die formale Regelungen für das Verfassen eines Testaments bzw. eines Erbvertrages. Alles mit diesem Thema kann schwer zu verstehen sein. Gut zu wissen, dass ein Testament notariell beurkundet oder handschriftlich abgefasst sein kann. In allen Fällen würde es sich ja lohnen, einen Rechtsanwalt oder einen Notar zu finden, der noch mehr Beratung geben könnte.

  3. Was für ein hilfreicher Artikel zum Thema Erbrecht! Das ist alles echt gut zu wissen. Die Informationen werde ich mir zu Herzen nehmen für die Zukunft. Ich bin daran interessiert, meine Zukunft vorausschauend zu planen, indem ich mehr über das Erbrecht lerne.

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